Anwenderbericht: Arbeiten mit der KABC-II

Was machen Sie beruflich?
Ich arbeite als Psychologin in einer Frühförderstelle, also mit Kindern zwischen 0 und 6 Jahren.

Wann setzen Sie die KABC-II ein, um Intelligenz zu messen?
Wir führen bei den Kindern eine Eingangsdiagnostik durch, um zunächst festzustellen, ob überhaupt kognitiver Förderbedarf besteht. Wenn das Testergebnis Förderbedarf anzeigt, werden die Kinder bei uns angemeldet und erhalten regelmäßig pädagogische Angebote. Im Verlauf der Förderung führen wir dann eine Verlaufstestung durch, um die Entwicklung und die Fortschritte der Kinder abzubilden.

Inwieweit hilft Ihnen die KABC-II in Ihrer täglichen Arbeit?
Die KABC-II ermöglicht eine differenzierte Erfassung der Fähigkeiten der Kinder – sowohl im Hinblick auf die individuellen Stärken und Schwächen als auch im Vergleich zur Altersgruppe. Dadurch können wir sehr gezielte Förderangebote für die Kinder entwickeln.

Was tun Sie, wenn die Testperson von vornherein oder während der Testung unmotiviert ist?Ich versuche die Testperson für die Materialien zu begeistern und ihr die Testung schmackhaft zu machen. Das gelingt oft, da die Materialien sehr abwechslungsreich gestaltet sind. Ab und an tausche ich auch die Reihenfolge der Untertests und ziehe beispielsweise die Dreiecke vor, weil die Kinder dann selber „bauen“ dürfen, was wiederum aktivierend und motivierend wirkt.

Haben Sie Tipps zur Anwendung der KABC-II?
Generell empfiehlt es sich immer, die Testverfahren vorher mit Kollegen auszuprobieren, um Sicherheit zu gewinnen. Ich persönlich versuche – soweit es möglich ist – die Testungen nur am Vormittag durchzuführen, weil die Kinder dann frischer sind.
Da wir Verlaufstestungen durchführen, achte ich auch darauf, dass ich die Kinder nicht zweimal im gleichen „Lebensjahr“ teste. Wenn es beispielsweise 4 Jahre alt ist, warte ich mit der nächsten Testung mindestens bis zum 5. Geburtstag. Das funktioniert bei uns gut, weil die Kinder relativ lange bei uns sind und wir zeitlichen Spielraum haben.

Wie kommunizieren Sie die Ergebnisse an die Familien?
Ich finde den Auswertungsbogen, den die Software ausgibt, durch die verschiedenen Farben der Subskalen sehr anschaulich. Zunächst erläutere ich den Eltern das allgemeine Testprinzip, die Bedeutung des Gesamtwerts und die dargestellten Fähigkeitsbereiche. Dann zeige ich exemplarisch einige Aufgaben aus den einzelnen Skalen, sodass die Eltern sich besser vorstellen können, welche Art von Aufgaben durchgeführt wurden. Wir arbeiten insgesamt sehr ressourcenorientiert. Ich betone also, dass es nicht nur darum geht, die Defizite zu betrachten, sondern auch auf die individuellen Stärken zu achten, selbst wenn der Gesamtwert vielleicht am unteren Rand des Durchschnitts oder unterdurchschnittlich ist. Ich betone auch, dass die testdiagnostische Betrachtung nur ein Puzzleteil der gesamten Betrachtung des Kindes ist. Ein Kind ist immer mehr als eine Zahl.

Wie lange dauert die Testdurchführung durchschnittlich? Wann dauert sie länger bzw. kürzer?
Ich plane meist 75 Minuten ein, manchmal dauert es auch nur knapp eine Stunde. Das hängt zum einen vom Lebensalter des Kindes und zum anderen von der Anzahl der durchgeführten Untertests ab. Bei leistungsstarken Kindern dauert die Testung länger, weil sie in den einzelnen Untertests weiter vorankommen. Bei schwächeren Kindern ist man meist schneller fertig. Ich plane auch eine Pause ein, falls das Kind beispielsweise etwas trinken möchte.

Worin sehen Sie die Stärken und Schwächen des Testverfahrens?
Für mich liegen die größten Stärken in der differenzierten Erfassung der Fähigkeiten und in der Aufteilung in die vier Fähigkeitsbereiche. Diese sind sehr anschaulich dargestellt und eignen sich sehr gut für die Erstellung eines Förderplans. Die Materialien sind für die Kinder ebenfalls ansprechend gestaltet und für den Testleiter sehr handlich.
Was mir persönlich fehlt, sind noch mehr Untertests, bei denen die Kinder selbst aktiv handeln müssen, wie z. B. bei den Dreiecken. Der Rover kommt ab dem 6. Lebensjahr zwar noch dazu, bei den jüngeren Kindern sind die Aufgabenstellungen aber teilweise sehr bildlastig und die Antwort erfolgt lediglich durch Zeigen. Durch das Handeln würden manche Kinder aktiviert werden und könnten ihre Leistungen noch besser zeigen.

 

Carolin Knierim, M. Sc.-Psych.
Psychologin in der Frühförder- und Beratungsstelle der Lebenshilfe Schwabach-Roth

 

 

 

 

 

 

 

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