So war die Pearson Xchange 2016

Pearson Xchange 2016 – erfolgreiches Fachsymposium in Frankfurt am Main

Nach einem Jahr der Vorbereitung und Organisation öffnete am 8. Juni 2016 die Pearson Xchange zum vierten Mal ihre Türen und lockte mit dem diesjährigen Leitthema „Entwicklungsdiagnostik in den ersten sechs Lebensjahren – aktuelle Forschungsbefunde und Praxiserfahrungen“ rund 160 Teilnehmer in den markanten MesseTurm der Messe Frankfurt. Im 10. Stock wartete auf die Kinderpsychologen, -therapeuten und Kinderärzte nicht nur ein toller Ausblick auf die Frankfurter Skyline, sondern vor allem drei spannende Expertenvorträge, eine Podiumsdiskussion zum Praxisalltag und Workshops zu drei verschiedenen Entwicklungstests.

Nach einer herzlichen Begrüßung durch Gert Jaap Schopink, dem Geschäftsführer von Pearson Assessment, und dem Moderator des Tages, Prof. Dr. Franz Petermann von der Universität Bremen, stieg Dr. Thorsten Macha, Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Diagnostik, Universität Bremen, in das Thema des Symposiums ein. Ihm ging es zu Beginn um allgemeine Merkmale von bestehenden Entwicklungstests und wie ihre Durchführung im Hinblick auf Defizit- oder Ressourcenorientiertheit aussehen kann. Dabei kamen auch die Limitationen von Entwicklungstests, zum Beispiel durch sprachliche, motorische oder kulturelle Gebundenheit, zur Sprache. Ein weiterer, wichtiger Punkt, der die Durchführung der Tests betrifft, sind die Merkmale des Testers, die Kinder unbewusst beeinflussen können. Diese genannten Phänomene nicht zu unterschätzen, war das Fazit des ersten Fachvortrags.

Hochrisikokinder und sprachliche Entwicklungsphänomene

„Normal ist, was häufig ist“ – Unter diesem Motto startete PD Dr. Gitta Reuner, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg, ihren Vortrag zum Thema „Frühdiagnostik bei Hochrisikokindern“. Ziel war es, die Problematik aufzuzeigen, dass es gerade bei frühkindlicher Entwicklung eine hohe Variabilität gibt und nicht bei jeder kleinen Abweichung von der allgemeinen Norm auch gleichzeitig eine Entwicklungsverzögerung, spezifische Entwicklungsstörung oder gar eine Entwicklungsregression – sprich ein Abbau von bereits erworbenen Fähigkeiten ­­­– vorliegt. Hochrisikokinder, zum Beispiel Frühgeborene oder Kinder mit genetischen Anomalien, stellen besondere Ansprüche an die Entwicklungsdiagnostik und fordern mehrdimensionale Strategien.

Mit spezifischen Ebenen der Diagnostik, um Entwicklungsphänomene und Symptome für Störungen auseinanderzuhalten, beschäftigte sich auch der Fachvortrag von Prof. Dr. Christina Kauschke, Institut für Germanistische Sprachwissenschaft, Klinische Linguistik, Universität Marburg. Hierbei ging es vor allem um die Sprachdiagnostik im Vorschulalter mit dem Ziel, spezifische Entwicklungsstörungen zu erkennen und von anderen, vorübergehenden Sprachauffälligkeiten abzugrenzen. Die Schwierigkeit: „Wir können nicht die Sprache an sich testen, sondern man muss auf spezifische Ebenen davon eingehen. Deshalb handelt es sich um einen mehrstufigen und interdisziplinären Prozess“, so Prof. Dr. Kauschke.

Qualitätssicherung bei der täglichen Umsetzung

Nach diesen ersten drei Impulsvorträgen aus unterschiedlichen Bereichen der Entwicklungsdiagnostik hatten die Teilnehmer der Pearson Xchange erst einmal genügend Informationen, über die sie sich bei einem Mittagsimbiss untereinander und mit den Referenten austauschen konnten. Gestärkt und mit den Eindrücken des Vormittags kamen sie danach wieder zusammen, um die Podiumsdiskussion zu verfolgen. Moderiert von Prof. Dr. Petermann diskutierten PD Dr. Monika Daseking, Prof. Dr. Christina Kauschke, Dr. Thorsten Macha, Dr. Andreas Oberle und PD Dr. Gitta Reuner zum Thema „Qualitätssicherung und Leitlinien in der Entwicklungdiagnostik“. Dabei ging es vor allem um die Umsetzung von Entwicklungstests in der alltäglichen Praxis, zu der auch zahlreiche Anmerkungen, Fragen und Kritikpunkte aus dem Publikum kamen. Aus den verschiedenen fachlichen Richtungen betrachtet, resultierte aus der Diskussion unter anderem die Forderung, dass die Diagnostik in der politischen Diskussion einen höheren Stellenwert erhalten müsse.

Drei Workshops für die Praxis

Am Nachmittag lockte die Pearson Xchange die Teilnehmer mit drei Workshops, in denen die drei Testverfahren ET 6-6-R, WNV und BAYLEY-III näher beleuchtet wurden. Um den anwesenden Ärzten, Psychologen und Psychotherapeuten die Möglichkeit zu geben, an mehr als einem Workshop teilzunehmen, wurden diese wiederholt.

Dr. Torsten Macha beschäftigte sich in seinem Workshop eingehend mit dem Entwicklungstest ET 6-6-R und ging dabei im Spezifischen auf das Entwicklungsalter ein, dessen exakte Bestimmung nicht in jeder Testsituation ganz eindeutig ist. PD Dr. Monika Daseking lud die Teilnehmer ihres Workshops dazu ein, die Wechsler Nonverbal Scale of Ability (WNV) näher kennenzulernen und diskutierte mit ihnen die Anwendung dieses Intelligenztests, der nicht auf Sprache basiert, im Zuge der aktuellen Flüchtlingsdebatte.

„Das Spiel ist die höchste Form der Forschung.“ Dieses Zitat von Albert Einstein spielte im Workshop von Dr. Gitta Reuner eine tragende Rolle. Gemeinsam mit den Teilnehmern nahm sie den Entwicklungstest BAYLEY-III genauer unter die Lupe und ging der Frage nach, ob Spielverhalten ein Indikator für die kognitive Entwicklung ist und wie sich diese standardisiert und vergleichbar messen lässt.

Viele Eindrücke und Fortsetzung der Diskussion

Gegen 17 Uhr fand die Pearson Xchange 2016 ihren Abschluss. Mit vielen spannenden Erkenntnissen im Gepäck und auf dem aktuellsten Stand der Forschung im Rahmen der Entwicklungsdiagnostik verließen die Teilnehmer den Messeturm in Frankfurt am Main. Bevor im kommenden Jahr die Pearson Xchange in eine neue Runde geht, widmet sich bereits im Oktober 2016 die „Entwicklungswoche noch einmal dem Thema Entwicklungsdiagnostik. Vom 10. bis 14. Oktober finden dazu zwei Seminare und drei kostenfreie Webinare statt.

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